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Schlitze schlagen ist nicht jedermanns Sache. "Wer es nicht kann, gibt von allein wieder auf“, sagt Hartmut Raff und lacht.

Der 50-Jährige weiß, was er will. Nach dem Hauptschulabschluss machte er die Ausbildung zum Elektriker, dann den Meister, später den Betriebswirt des Handwerks und schließlich den Bachelor of Business Administration. Seinen Kunden gesteht er Eigenleistungen gerne zu – die Spielregeln bestimmt aber er.

"Nicht alle Arbeiten sind sinnvoll"

Es gibt viele Punkte, auf die Unternehmer achten müssen, wenn die Zusammenarbeit mit dem Kunden reibungslos funktionieren soll. Das fängt bei der Auswahl der Arbeiten an. "Nicht alles ist sinnvoll“, warnt Christa Muschert, Betriebsberaterin bei der Handwerkskammer Region Stuttgart.

Zwei Vorteile habe der Unternehmer, wenn er Eigenleistungen des Kunden einplane. Zunächst könne er Zeit sparen. Kunden übernehmen vor allem einfache, aber zeitintensive Arbeiten. Schlitze schlagen, wie bei Elektro Raff, zählt dazu, in anderen Gewerken können es Vorarbeiten wie Türpfosten aushebeln oder schlichte Aufräumarbeiten sein. Übernimmt der Kunde diese Posten, hat der Unternehmer mehr Zeit für anspruchsvolle Arbeiten und kann mehr Aufträge übernehmen.

Der zweite Vorteil zeigt sich im Preis. Klammert der Unternehmer die zeitintensiven Arbeiten aus, kann er günstiger anbieten und sich den Auftrag sichern. Zudem gibt er dem Kunden das gute Gefühl, etwas am eigenen Heim selbst gemacht zu haben. "Da geht es auch um einen psychologischen Effekt“, beobachtet Hartmut Raff.

Klare Absprachen wichtig

Damit die Zusammenarbeit funktioniert, muss der Unternehmer für klare Absprachen sorgen. In seinem Angebot hält er detailliert fest, welche Arbeiten er erledigt und welche der Kunde. Am besten fügt er hierzu einen separaten Teil an.

Sofern der Baustellenfortschritt von den Eigenleistungen des Kunden abhängt, sollten schon im Angebot Termine festgehalten sein beziehungsweise eine Klausel, dass der Unternehmer nicht für Verzögerungen haftet, wenn sie der Kunde zu verantworten hat.

"Auch die Fragen nach Haftung und Gewährleistung sollten die Parteien vertraglich festhalten“, empfiehlt Christa Muschert. Was passiert, wenn der Kunde aus Versehen eine Leitung anbohrt? Wer ist verantwortlich, wenn sich der Kunde bei den Arbeiten verletzt? Vor allem, wenn der Kunde selbst Unternehmer ist, sollten die Parteien schriftlich fixieren, dass die Eigenleistungen kein Subunternehmerverhältnis begründen.

Material kommt vom Handwerker

Hartmut Raff hat für all diese Punkte praktikable Lösungen gefunden. Seine Vorgaben beginnen beim Material. "Das liefern wir“, stellt der Unternehmer aus Leinfelden-Echterdingen klar. Dann weist er den Kunden sehr genau ein. "Wir zeichnen alles an und erklären, was von wo nach wo verlaufen soll.“ Dann darf der Kunde loslegen, aber Raff bleibt dicht an ihm dran. "Wir machen fortlaufende Kontrollen. So können wir die Gewährleistung bieten und im Notfall reingrätschen“, sieht der 50-Jährige die Zusammenarbeit sportlich.

Wenn der Betrieb am Ende alles durchgemessen hat, unterschreibt Raff für das Objekt. Den Umgang mit den Kunden empfindet Raff als unkompliziert. "Der Kunde will ja die Hilfe. Und ob ich das einem Azubi erkläre oder dem Kunden, macht keinen Unterschied.“

So, wie das Angebot bei Eigenleistungen des Kunden sehr detailliert sein sollte, muss auch die Rechnung diese Punkte aufgreifen. Wer nicht wie Raff die Gewährleistung für die Arbeiten seiner Kunden übernimmt, kann das an dieser Stelle klären, etwa so: "Der Kunde hat die Kabel selbst verlegt und trägt dafür sowie für mögliche Auswirkungen auf unsere Arbeiten Haftung und Gewährleistung.“

Hartmut Raff hat mit den Eigenleistungen noch nie schlechte Erfahrungen gemacht, er nennt es eine Win-win-Situation: "Ich biete dem Kunden die Möglichkeit, selbst Hand anzulegen, und er hat eine vernünftige Installation, die vom Fachmann überprüft ist.“

 

Quelle: DHZ

12.02.2016
 
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